Von Hygge bis 4-Tage-Woche
Methoden zur Stressbewältigung aus anderen Ländern
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In Finnland, Dänemark und Island leben laut internationalen Rankings die glücklichsten Menschen der Welt. Ein Grund dafür könnte auch darin liegen, wie dort mit Stress umgegangen wird. Konzepte wie Hygge in Dänemark, die 4-Tage-Woche in Island oder ungewöhnliche Ansätze wie Lachyoga zeigen, dass Entlastung nicht nur im Kopf beginnt, sondern auch im Umfeld. Wir werfen einen Blick auf unterschiedliche Wege der Stressbewältigung weltweit.
Warum andere Länder oft entspannter mit Stress umgehen
Deutschland ist gestresst – das zeigt der TK Stressreport. Zwei Drittel der Menschen (66 %) geben an, sich im Alltag oder Berufsleben häufig oder manchmal gestresst zu fühlen. Doch auch weltweit ist Stress ein wachsendes Thema: Laut Gallup World Poll 2024 fühlen sich 39 Prozent der Erwachsenen regelmäßig belastet – deutlich mehr als noch vor zehn Jahren. Besonders betroffen sind Menschen in Staaten mit politischen oder wirtschaftlichen Krisen.
Gleichzeitig gibt es Länder, in denen Menschen insgesamt zufriedener sind und offenbar anders mit Belastung und Stress im Alltag umgehen. Dazu gehören unter anderem Finnland, Dänemark oder Island, die seit Jahren die Spitzenplätze im World Happiness Report belegen. Der Unterschied liegt dabei nicht unbedingt darin, ob Stress existiert – sondern wie mit ihm umgegangen wird. Oft gibt es nicht nur individuelle Strategien zur Stressbewältigung, sondern kulturelle Gewohnheiten, Arbeitsmodelle und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.
Wie Du besser mit Stress umgehen kannst
Es gibt kein universelles Erfolgsrezept im Umgang mit Stress, sondern unterschiedliche Ansätze, die individuell wirken können. Erfahre mehr über Wege, wie Du besser mit Stress umgehen kannst.
Von 4-Tage-Woche bis Lachyoga: Wie andere Länder mit Stress umgehen
Menschen in Dänemark oder Island sind glücklicher, das zeigt immer wieder der World Happiness Report. Doch woran kann das liegen? Wir haben einen Blick auf andere Länder geworfen und sechs Methoden zur Stressbewältigung gefunden, an denen wir uns ein Beispiel nehmen können:
Hygge: Wie man in Dänemark Stress abbaut
Dänemark gehört seit Jahren zu den Top 3 der glücklichsten Länder weltweit. Ein Blick auf die dänische Kultur liefert schnell eine mögliche Erklärung: Hygge.
Was steckt hinter dem Konzept Hygge?
Übersetzt bedeutet Hygge so viel wie „gemeinsam Raum und Zeit genießen“. Statt hektisch durch den Alltag zu gehen, geht es darum, bewusst innezuhalten und sich auf den Moment zu konzentrieren. „Hygellig“ kann vieles sein: ein gemütlich eingerichtetes Zuhause mit Kissen, Decken und Zimmerpflanzen, ein gemeinsamer Kochabend mit Freund*innen oder ein paar Stunden bewusste Selfcare – ein Ansatz, der sich auch in anderen Lifestyle-Trends wiederfindet.
Warum Hygge tatsächlich wirkt
Dass die Elemente eines „hygelligen Lebens" wirken, ist auch wissenschaftlich gut belegt: Studien zeigen, dass Menschen in aufgeräumten, ruhigen Umgebungen weniger stressanfällig sind. Forschungen der University of Toronto Scarborough weisen zudem darauf hin, dass gedimmtes Licht beruhigend wirkt, während natürliches Licht Stress reduzieren kann. Auch soziale Nähe spielt eine zentrale Rolle – gemeinsame Zeit mit vertrauten Menschen und körperlicher Nähe wie Umarmungen können nachweislich den Blutdruck senken und das Wohlbefinden steigern.¹
4-Tage-Woche: Wie Island Arbeit neu denkt
In Island arbeiten inzwischen rund 86 % der Beschäftigten in Modellen mit reduzierter Arbeitszeit – oder haben Zugang dazu. Vorausgegangen war ein groß angelegte Experiment: Für rund 2.500 Beschäftigte (etwa 1 % der isländischen Erwerbsbevölkerung) wurde die Arbeitszeit auf 35–36 Stunden pro Woche reduziert – bei gleichbleibendem Gehalt.²
Was eine 4-Tage-Woche bringt
Als Vorreiter für die 4-Tage-Woche konnte Island zeigen, dass sich sowohl Wohlbefinden als auch Produktivität bei Beschäftigten verbessern lassen. Während die Leistung stabil blieb oder sich sogar verbesserte, sanken Stresslevel und Burn-out-Risiko. Die Teilnehmenden berichteten von einer besseren Work-Life-Balance, mehr Erholung und Zeit für die Familie – bei weniger mentaler Belastung.
Das Modell erregte internationale Aufmerksamkeit. In Belgien können Arbeitnehmende seit 2021 selbst entscheiden, ob sie ihre Arbeitszeit auf vier oder fünf Tage verteilen. Auch in Ländern wie Großbritannien, den USA oder Australien laufen entsprechende Pilotprojekte oder wurden bereits getestet.
Imemuri: Wie man mit Powernaps für Entspannung sorgt
Schlafende Menschen sieht man in Japan überall – in der U-Bahn, auf einer Parkbank, während einer Konferenz, am Schreibtisch. Klinbt ungewöhnlich, wird in Japan aber als „Imemuri“ bezeichnet.
Was steckt hinter Imemuri?
Der Begriff lässt sich grob mit „anwesend sein und schlafen“ übersetzen. Gemeint sind kurze Nickerchen an Ort und Stelle. Anders als beim klassischen Nachtschlaf von 7 bis 8 Stunden geht es hier um kurze Powernaps von bis zu 20 Minuten, die für Erholung sorgen sollen.
Was bringt Imemuri wirklich?
Forschungen zeigen, dass der Körper etwa 7 bis 8 Stunden Schlaf pro Tag benötigt, um lebenswichtige Prozesse wie Stoffwechsel, Zellerneuerung und Abwehrfunktionen zu unterstützen. Der Schlaf muss jedoch nicht zwingend am Stück erfolgen: Kurze Powernaps können helfen, Energielevel zu stabilisieren und Stress zu reduzieren. Die kurzen Schlafphasen haben ähnliche Effekte wie Meditation: Der Blutdruck sinkt, die Konzentration verbessert sich und Stress- sowie Angstreaktionen nehmen ab.³ Entscheidend ist dabei die Dauer: Expert*innen empfehlen Nickerchen von etwa 15 bis 20 Minuten. So bleibt der Körper in leichten Schlafphasen – wer länger schläft, fällt in den Tiefschlaf und fühlt sich danach oft eher erschöpft als erholt. Auch das Timing spielt eine Rolle: Kurze Pausen am frühen Nachmittag können sinnvoll sein, während spätere Nickerchen den Nachtschlaf beeinträchtigen können.
Weitere Methoden zur Stressbewältigung
Saunieren: Wie Finnland auf Entschleunigung setzt
In Finnland gibt es mehr als drei Millionen Saunen – theoretisch könnte also jeder Einwohner gleichzeitig in der Sauna sitzen. Saunagänge gehören in Finnland fast selbstverständlich zum Alltag, sie sind kein Luxus, sondern Routine.
Welche Effekte hat der Saunagang?
Beim Saunagang geht es um körperliche Reinigung und mentale Entlastung – oft kombiniert mit Zeit in der Natur, am See, im Wald, Hauptsache fern vom Alltag.
Studien zeigen, dass regelmäßige Saunagänge den Stress abbauen, die Durchblutung fördern und das allgemeine Wohlbefinden steigern können. Regelmäßige Saunabesucher*innen geben außerdem an, glücklicher zu sein, besser zu schlafen und mehr Energie zu haben.⁶ Entscheidend ist die Kombination aus Wärme, Ruhe und bewusster Zeit in der Natur. Sie schafft einen bewussten Gegenpol zum oft hektischen Alltag – und kann helfen, Stress langfristig zu reduzieren.
Lach-Yoga: Warum Lachen Stress wirksam abbauen kann
Yoga gehört zu den beliebtesten Sportarten in Deutschland. Lachyoga dagegen ist weniger bekannt. Die Methode wurde in den 1990er Jahren vom Arzt und Yogalehrer Dr. Madan Kataria in Indien entwickelt und verbindet Atemübungen mit bewusst erzeugtem Lachen.
Wie Lachyoga funktioniert
Durch Klatsch-, Dehn- und Atemübungen sowie spielerische Elemente wie Augenkontakt wird zunächst bewusstes, scheinbar grundloses Lachen ausgelöst. Dieses kann sich im Verlauf der Übungen in echtes, spontanes Lachen verwandeln.
Selbst erzwungenes Lachen kann sich positiv auf den Körper auswirken – denn physiologisch unterscheidet der Körper nicht zwischen echtem und absichtlich ausgelöstem Lachen. Studien zeigen, dass regelmäßiges Lachen das Wohlbefinden steigern und Stress reduzieren kann.⁵
Progressive Muskelentspannung: Wie gezielte Anspannung Stress reduziert
Fühlt man sich unruhig, angespannt oder verängstigt, steigt auch die Muskelspannung im Körper. Umgekehrt kann gezielte Entspannung dazu beitragen, innere Ruhe wiederherzustellen. Diesen Zusammenhang erkannte der amerikanische Physiologe Edmund Jacobson bereits in den 1920er Jahren und entwickelte daraus die Progressive Muskelentspannung.
Was hinter Progressiver Muskelentspannung steckt
Im Liegen oder Sitzen werden einzelne Muskelgruppen nacheinander angespannt, kurz gehalten und anschließend bewusst gelöst. So entsteht Schritt für Schritt ein Zustand körperlicher und mentaler Entspannung.
Gelingt es, den Körper systematisch zu entspannen, folgen weitere Prozesse: Blutdruck und Puls sinken, die Atmung wird ruhiger und der Körper schaltet spürbar herunter. Studien zeigen, dass Progressive Muskelentspannung dabei helfen kann, Stress zu reduzieren, die Schlafqualität zu verbessern und die allgemeine Belastbarkeit zu erhöhen.⁵
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Quellen:
¹ Light, Grewen, Amico et al.: More frequent partner hugs and higher oxytocin levels are linked to lower blood pressure and heart rate in premenopausal women, in: Biological Psychology 69 (1), 2005, zuletzt aufgerufen am 26.03.2026.
² Haraldsson, Kellam: Going Public: Iceland’s journey to a shorter working week, zuletzt aufgerufen am 26.03.2026.
³ Medical News Today: What to know about power naps, zuletzt aufgerufen am 26.03.2026.
⁴ Neuhoff, Schaeffer: Effects of laughing, smiling, and howling on mood, in: Psychological Reports Dec 91(3 , Pt. 2), 2021, zuletzt aufgerufen am 26.03.2026.
⁵ Toussaint, Nguyen, Roettger et al.: Effectiveness of Progressive Muscle Relaxation, Deep Breathing, and Guided Imagery in Promoting Psychological and Physiological States of Relaxation, in: Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, Jul 2021, zuletzt aufgerufen am 26.03.2026.
⁶ Uppsala University: Sauna users are happier and sleep better, zuletzt aufgerufen am 26.03.2026.
Bilder von Ris and Ry, Pavel Danilyuk, Luca Dugaro (Hygge), yanishevska (4-Tage-Woche), Marcus Aurelius (Imemuri), Huumsauna (Sauna), Dikushin Dmitry via Shutterstock (Yoga), Yan Krukau (Muskelentspannung)